Sterbe- & Trauerbegleitung

Foto: theo-sautif-3mUeJhD1vjg-unsplash

Männer trauern anders

Kategorie: ,
29. Juli 2021

Stirbt vor, während oder nach der Geburt das eigene Kind, stirbt auch die gemeinsame Zukunft des Paares. Der Tod des eigenen Babys stellt Eltern auf eine harte Probe. Auf der einen Seite ist da die Mutter, die neben dem psychischen Schmerz, auch die körperlichen Symptome spürt. Sei es der Milcheinschuss, der Wochenfluss, aber auch die Nachwehen. Auf der anderen Seite steht dort der Vater, der ebenfalls trauert. Doch oft anders, als es die Frauen erhoffen und manchmal ein Stück weit erwarten. „Warum weinst du nicht? Liebst du unser Kind denn gar nicht?!“ Manchmal sprechen es die Mütter direkt aus. Häufiger aber, denken sie es nur. Und so kann es zu schweren Missverständnissen bis hin zum Streit kommen. Wenn eine Mutter ihr Baby verliert, ist es für sie oft vollkommen unverständlich, wie der Mann „einfach so weitermachen kann“, oder „sich ablenken muss“. Doch meistens ist es keins von Beiden. Väter trauern auch. Aber eben anders! Und das ist absolut okay. Genauso ist es vollkommen in Ordnung, wenn es nicht so ist, wie vorher beschrieben, oder manchmal auch genau andersrum. Jeder trauert anders und Trauer lässt sich nicht pauschalisieren. Das muss man als Paar lernen und dem Partner eingestehen. Wenn der Vater nun nicht den ganzen Tag im Bett liegt und weint, sondern evtl. irgendwelche angefangenen Projekte beendet, bedeutet dieses nicht, dass er nicht trauert. Ganz im Gegenteil: er trauert auf seine Art und Weise. Im Umkehrschluss ist es aber auch genauso in Ordnung, wenn sich die Mama die Augen aus dem Kopf weint. Alles ist möglich und darf nicht verurteilt werden! 

Das allerwichtigste hierbei ist, die Kommunikation der Paare. Es ist nicht immer leicht, seine Gefühle in dem Moment klar zu formulieren, dennoch immens wichtig! Nur dann kann der Partner wissen, wie es dem anderen wirklich geht. Ebenso können die Eltern nur durch Kommunikation, Verständnis füreinander aufbringen. Verständnis füreinander und akzeptieren, wie der jeweils andere trauert: so kann ein gemeinsamer Weg entstehen. 

Es ist absolut in Ordnung, wenn der Weg der Eltern nicht derselbe ist. Jeder geht auf seinem Weg. Doch immer wieder werden sich diese Wege kreuzen. Auf diesen Kreuzungen stehenzubleiben und miteinander zu sprechen, ist unerlässlich! Trauern heißt lieben! Und zu manchen Zeiten geht es allein und zu anderen Zeiten gemeinsam am besten. Es gibt kein Richtig und kein Falsch! Dieses Bewusstsein und die Akzeptanz dafür, kann Paaren helfen, sich gegenseitig zu stützen und zu unterstützen. Autorin: Friederike Nolte

chevron-uparrow-leftarrow-right